Mut zur Veränderung

Der Wunsch nach Veränderungen im Fußball ist seit vielen Jahren allgegenwärtig. Die Corona-Pandemie hat die Schwächen des Systems „Profi(t)fußball“ wie unter einem Brennglas hervorgehoben. Es ist an der Zeit, diesen Schwächen entgegenzuwirken und Reformen einzuleiten – unsere Initiative möchte dabei auf Reformbedarf in unserem Verein aufmerksam machen und Ideen zur Umsetzung entwickeln.

Dass die Zeichen der Zeit bei weitem noch nicht von allen erkannt wurden, zeigen die negativen Entwicklungen der letzten Wochen. Immer mehr Fans haben sich über die letzten Monate dem Profifußball abgewandt. Vereins- und Verbandsfunktionäre hingegen haben es mit ihrem Handeln und ihren Aussagen tatsächlich geschafft, die Entfremdung von der Basis weiter zu beschleunigen. Viel zu viel mussten Fußballfans über die letzten Jahre bereits hinnehmen. Viel zu ausgeprägt ist mittlerweile die Wut auf gierige Funktionäre, die den Fußball für ihre eigenen Interessen missbrauchen. Der Glaube, dieser Spirale der Entfremdung des Fußballs von seinen Fans noch entgegenwirken zu können, ist gering. Immer mehr, höher, schneller und weiter – noch mehr Anstoßzeiten, noch höhere Ticketpreise, noch mehr Kommerzialisierung des Produkts Fußball. Im Schatten der „Super League“-Diskussionen leitet die UEFA ihre Reformen zur Champions League still und heimlich ein, die den Wettbewerb in Europa ebenfalls deutlich einschränken werden und das große Geld noch stärker auf einige ausgewählte Clubs beschränkt. Von der viel zitierten Solidarität keine Spur. Die Turbokapitalisten haben erreicht, dass viele Fans nur noch resignieren. Die Pandemie spielt den handelnden Personen dabei durchaus in die Karten, denn ein lauter Protest im Stadion bleibt aus.

Auch der DFB und die DFL schafften es in den letzten Jahren, teilweise auf erstaunliche Art und Weise, dem Fußballfan in Deutschland zu zeigen, dass es längst nicht mehr um sein Wohle geht. Der Fußball in Deutschland kränkelt seit geraumer Zeit. Er hat sich selbst ins Krankenhaus manövriert. Seit dem Beginn der Pandemie liegt er auf der Intensivstation. Allein. Ohne Besuch, denn Fans müssen dem Fußball derzeit fernbleiben.

Dennoch reichen die Fans dem Fußball die Hand. Verschiedene Faninitiativen haben vermehrt deutlich auf das kranke System hingewiesen und Reformen gefordert. Viel mehr sogar – es wurden konkrete und detaillierte Konzepte vorgelegt: Zukunft Profifußball. Die DFL widmete sich diesen Themen jedoch nur halbherzig und veröffentlichte im Februar, im Zuge der DFL Taskforce Zukunft Profifußball, lediglich 17 Handlungsempfehlungen. Konkreten Umsetzungsdruck dieser Empfehlungen hat man sich nicht auferlegt.

Oftmals fühlen wir uns als Fans hilflos gegenüber solchen Themen. Wo sollen wir anfangen? Wie können wir uns einbringen?

Unsere Initiative möchte möglichst vielen Fans, Fanclubs und weiteren Initiativen des Vereins und der Stadt eine Austauschplattform bieten und darüber diskutieren, auf welchen Themengebieten und auf welche Art und Weise den beschriebenen aktuellen Entwicklungen im Profifußball entgegengewirkt werden kann. Denn eines ist klar: So groß die Probleme des kränkelnden Systems Profifußball auch wirken, der kleinste gemeinsame Nenner ist unser Verein und wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir bei uns anfangen.

Wir wollen mit unseren Ideen aktiv auf den Verein zugehen und mit ihm zusammen neue Wege des partizipativen, transparenten und gerechteren Fußballs umsetzen. Gemeinsam gestalten und Haltung einnehmen. Lasst uns aufstehen, die Stimme erheben und den Worten auch Taten folgen lassen.

Der Fußball steht am Scheideweg und wenn sich nichts ändert, stehen die Zeichen des kranken Patienten auf Abschied. Der Tod des Fußballs und der Fankultur, wie wir sie kennen und lieben gelernt haben, ist keine Illusion mehr, sondern knallharte Realität.

Wir haben genug. Reclaim the game! Ohne Fans ist der Fußball nichts. Es gibt viel zu tun – bringt Euch ein und seid dabei.

Initiative „UNSER HSV“ im April 2021

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