Mitgliederversammlung: Der HSV braucht Veränderung

Nach dem sportlich erfolgreichen Start in die Saison findet am kommenden Samstag die ordentliche Mitgliederversammlung des Hamburger Sport-Vereins e.V. im Volksparkstadion statt.

Wie bereits berichtet, haben zwei Mitstreiter unserer InitiativeAnträge zum Thema Rechtsform und Nachhaltigkeit eingereicht. Wir von UNSER HSV möchten hiermit um euren Zuspruchbitten, um diesen beiden Themen die längst überfällige Verbindlichkeit zu geben.

Des Weiteren wird auf der Versammlung über die Kandidaten für das neue Präsidium abgestimmt. Zur Wahl stehen Marcell Jansen als Präsident, Bernd Wehmeyer und Ralph Hartmann als Vizepräsident und Michael Papenfuß als Schatzmeister. Wir danken an dieser Stelle allen zugelassenen Kandidaten, sowie auch die durch den Beirat abgelehnten Kandidat*innen, für ihre Bereitschaft und wünschen für die Wahl viel Glück! Rund um die Wahl für das neue Präsidium erhoffen wir uns einen lebhaften Austausch und Diskussionen, bei denen es nicht um Personen, sondern um Inhalte geht. Im Vordergrund sollte stehen, welche Themen das neue Präsidium für sich beansprucht und welche Vision verfolgt werden soll.

Dass es im Fußball Veränderungen bedarf, denen auch der HSV sich nicht entziehen kann, wurde unlängst an vielen verschiedenen Stellen im HSV Kosmos thematisiert. Bei unserem letzten Statement im April, haben wir bereits Orientierungshilfen gegeben. Zudem möchten wir an dieser Stelle nochmal die Texte des Nordtribüne e.V. aus dem November und Dezember 2020 hervorheben (http://xn--nordtribne-hamburg-t6b.de/page/3/), denen wir uns vollumfänglich anschließen. Es braucht Mut zu Veränderungen. Unser HSV muss eine klare Haltung zu verschiedensten Themen einnehmen und ein sichtbares Wertegerüst entwickeln. Unser HSV steht für mehr als nur Sport. Unser HSV…

• steht für Diversität, Vielfalt und Inklusion

• verfolgt ein klares Wertegerüst

• agiert transparent, partizipativ und basisnah

• ist sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst

• wirtschaftet nachhaltig

• handelt ökologisch verantwortungsbewusst

Uns stehen intensive Monate bevor, in denen wir den Mut zu Veränderungen hervorbringen und die Weichen für eine neue Zukunft legen müssen. Zusammen mit allen Fans, Mitgliedern, Gremien, Ehrenamtlichen und Mitarbeiter*innen gilt es, zukunftsorientiert zu handeln und Lösungen zu suchen statt nur die Probleme zu beschreiben.

Der Fußball braucht Veränderung, beim HSV fangen wir an. Gemeinsam vorwärts.

 Initiative UNSER HSV im August 2021

Mut zur Veränderung

Der Wunsch nach Veränderungen im Fußball ist seit vielen Jahren allgegenwärtig. Die Corona-Pandemie hat die Schwächen des Systems „Profi(t)fußball“ wie unter einem Brennglas hervorgehoben. Es ist an der Zeit, diesen Schwächen entgegenzuwirken und Reformen einzuleiten – unsere Initiative möchte dabei auf Reformbedarf in unserem Verein aufmerksam machen und Ideen zur Umsetzung entwickeln.

Dass die Zeichen der Zeit bei weitem noch nicht von allen erkannt wurden, zeigen die negativen Entwicklungen der letzten Wochen. Immer mehr Fans haben sich über die letzten Monate dem Profifußball abgewandt. Vereins- und Verbandsfunktionäre hingegen haben es mit ihrem Handeln und ihren Aussagen tatsächlich geschafft, die Entfremdung von der Basis weiter zu beschleunigen. Viel zu viel mussten Fußballfans über die letzten Jahre bereits hinnehmen. Viel zu ausgeprägt ist mittlerweile die Wut auf gierige Funktionäre, die den Fußball für ihre eigenen Interessen missbrauchen. Der Glaube, dieser Spirale der Entfremdung des Fußballs von seinen Fans noch entgegenwirken zu können, ist gering. Immer mehr, höher, schneller und weiter – noch mehr Anstoßzeiten, noch höhere Ticketpreise, noch mehr Kommerzialisierung des Produkts Fußball. Im Schatten der „Super League“-Diskussionen leitet die UEFA ihre Reformen zur Champions League still und heimlich ein, die den Wettbewerb in Europa ebenfalls deutlich einschränken werden und das große Geld noch stärker auf einige ausgewählte Clubs beschränkt. Von der viel zitierten Solidarität keine Spur. Die Turbokapitalisten haben erreicht, dass viele Fans nur noch resignieren. Die Pandemie spielt den handelnden Personen dabei durchaus in die Karten, denn ein lauter Protest im Stadion bleibt aus.

Auch der DFB und die DFL schafften es in den letzten Jahren, teilweise auf erstaunliche Art und Weise, dem Fußballfan in Deutschland zu zeigen, dass es längst nicht mehr um sein Wohle geht. Der Fußball in Deutschland kränkelt seit geraumer Zeit. Er hat sich selbst ins Krankenhaus manövriert. Seit dem Beginn der Pandemie liegt er auf der Intensivstation. Allein. Ohne Besuch, denn Fans müssen dem Fußball derzeit fernbleiben.

Dennoch reichen die Fans dem Fußball die Hand. Verschiedene Faninitiativen haben vermehrt deutlich auf das kranke System hingewiesen und Reformen gefordert. Viel mehr sogar – es wurden konkrete und detaillierte Konzepte vorgelegt: Zukunft Profifußball. Die DFL widmete sich diesen Themen jedoch nur halbherzig und veröffentlichte im Februar, im Zuge der DFL Taskforce Zukunft Profifußball, lediglich 17 Handlungsempfehlungen. Konkreten Umsetzungsdruck dieser Empfehlungen hat man sich nicht auferlegt.

Oftmals fühlen wir uns als Fans hilflos gegenüber solchen Themen. Wo sollen wir anfangen? Wie können wir uns einbringen?

Unsere Initiative möchte möglichst vielen Fans, Fanclubs und weiteren Initiativen des Vereins und der Stadt eine Austauschplattform bieten und darüber diskutieren, auf welchen Themengebieten und auf welche Art und Weise den beschriebenen aktuellen Entwicklungen im Profifußball entgegengewirkt werden kann. Denn eines ist klar: So groß die Probleme des kränkelnden Systems Profifußball auch wirken, der kleinste gemeinsame Nenner ist unser Verein und wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir bei uns anfangen.

Wir wollen mit unseren Ideen aktiv auf den Verein zugehen und mit ihm zusammen neue Wege des partizipativen, transparenten und gerechteren Fußballs umsetzen. Gemeinsam gestalten und Haltung einnehmen. Lasst uns aufstehen, die Stimme erheben und den Worten auch Taten folgen lassen.

Der Fußball steht am Scheideweg und wenn sich nichts ändert, stehen die Zeichen des kranken Patienten auf Abschied. Der Tod des Fußballs und der Fankultur, wie wir sie kennen und lieben gelernt haben, ist keine Illusion mehr, sondern knallharte Realität.

Wir haben genug. Reclaim the game! Ohne Fans ist der Fußball nichts. Es gibt viel zu tun – bringt Euch ein und seid dabei.

Initiative „UNSER HSV“ im April 2021