Keine Macht den Investoren

Mit etwas Abstand zu den Ereignissen rund um „das Kühne-Angebot“ im August, möchten wir als Initiative unsere Einschätzung zu der Thematik geben und unsere generelle Haltung zu Investoren verdeutlichen.

Am 11. August 2022 kam es zu einem Paukenschlag. Die Kühne Holding AG veröffentlichte in einer Pressemitteilung ein „10-Punkteprogramm zur Sanierung des Hamburger Traditionsvereins“. Durch Erfüllen der 10 aufgelisteten Forderungen würde der HSV Fußball AG ein Geldbetrag von 120 Mio. Euro winken.

Das Geld solle in die Stadionsanierung, den Schuldenabbau und den sportlichen Bereich fließen. Zudem sollen 60-80 Millionen Euro der insgesamt 120 Mio. Euro für weitere Anteilskäufe der Kühne Holding beim HSV bestimmt sein. Genauer gesagt: Diese will ihre Anteile an der HSV Fußball AG auf 39,9% aufstocken. Damit wären dann, der 50+1 Regel „entsprechend“, jegliche Anteile der möglich zu verscherbelnden 49,9% veräußert. Um dies umsetzen zu können, fordert Kühne in seiner Mitteilung, eine außerordentliche Mitgliederversammlung des HSV e.V. einzuberufen.

Weitere Forderungen Kühnes in der Pressemitteilung zeigen jedoch deutlich, dass das Vorhaben mit der 50+1-Regel und deren Zweck, die Entscheidungshoheit bei Verein und Fans zu halten, kaum noch etwas gemein hat und damit über diese hinaus gehen würde. So sollen sowohl der HSV e.V. als auch die Kühne Holding AG „je zwei von ihnen benannte Personen in den Aufsichtsrat (…) entsenden.“ Außerdem „soll eine neutrale Persönlichkeit mit sportlicher Fachkompetenz das Gremium ergänzen. Diese Persönlichkeit wird vom Hamburger Sportverein e.V. und der Kühne Holding AG gemeinsam ausgewählt.“ Eine strukturelle Stimmmehrheit des HSV e.V. als Mehrheitsanteiler wäre damit im Aufsichtsrat der AG nicht mehr gegeben. In dieselbe Richtung zielt der nach dem Forderungspapier einzurichtende „Arbeitsausschuss“, der zu gleichen Anteilen durch die Kühne Holding AG und dem HSV besetzt werden soll. Dieser Arbeitsausschuss solle „sich mit der strukturellen, finanziellen und sportlichen Entwicklung der HSV Fußball AG“ befassen, „gemeinsame Zielsetzungen“ erarbeiten und „deren Umsetzung überwachen“. Zudem solle dort auch über die „personelle Gremienbesetzung“ beraten werden.

Im Klartext: Alle wichtigen Entscheidungen des Vereins könnten nicht mehr selbstbestimmt gefällt werden, sondern würden unter ständiger Einflussnahme der Kühne Holding stehen. Noch schlimmer: bei Umsetzung aller Forderungen könnte der HSV e.V. (und damit die Mitgliedschaft) im schlimmsten Fall sein mehrheitliches Mitspracherecht in der AG verlieren.

Wir als Initiative „Unser HSV“ lehnen daher dieses Angebot Kühnes ab Partnerschaftliche Zusammenarbeit sieht für uns anders aus. Dem HSV auf dem Weg der wirtschaftlichen Stabilisierung zu helfen, stehen in diesem Fall direkter Einfluss auf jegliche operativen Entscheidungen gegenüber. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Klaus-Michael Kühne bereits mit deutlich weniger Anteilen, als den von ihm geforderten 39,9%, bedeutend zu viel Einfluss auf Prozesse beim HSV hatte und mit diesem Machtgehabe eine miserablen Außendarstellung entstand. Das „viel und frisches Geld“ nicht gleich kurz/mittelfristigen Erfolg bedeutet, sollte gerade den handelnden Personen des HSV bekannt sein. Seit der Ausgliederung 2014 dient der HSV in Fußballdeutschland als perfektes Beispiel dafür, welche negativen Auswirkungen finanzieller Größenwahn bedeuten kann.

Das Bestreben der HSV Fußball AG sollte es sein, die Büchse der Pandora wieder zu schließen und sich von Klaus-Michael Kühne bzw. der Kühne Holding zu emanzipieren. Nicht nur finanzielle Abhängigkeit des HSV sowie Macht und Einfluss Kühnes schaden unserem Verein, sondern auch Kühnes Schweigen zur Rolle des Unternehmens Kühne+Nagel im Nationalsozialismus und deren Nicht-Aufarbeitung sind mit unseren Werten nicht zu vereinbaren. Zu der Thematik wurde durch die Gruppe FORZA HAMBURG bereits eine detaillierte Stellungnahme veröffentlicht.

In einem Interview auf der Vereinswebseite erklärte Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender Marcell Jansen bereits: „[…] das an uns herangetragene Angebot ist in dieser Form nicht umsetzbar“. Keinen Monat später wiederum veröffentlichte das Präsidium eine weitere Pressemitteilung, in der von einem konstruktiven Austausch mit Klaus-Michael Kühne die Rede ist. Man freue sich auf den weiteren internen Austausch, bei dem die Möglichkeit einer konkreten weiteren Zusammenarbeit mit der Kühne Holding AG diskutiert werden soll.  Dieses Statement suggeriert bei uns eine 180-Grad-Wanderung und ist für uns erklärungsbedürftig. Wir erwarten vom Präsidium in der Thematik eine klare, eindeutige und transparente Haltung – eine derartige Zusammenarbeit mit der Kühne Holding ist abzulehnen! Zudem fordern wir das Präsidium auf, sich intensiv mit dem Antrag der Rechtsformprüfung, die von unserer Initiative im August 2021 in die Mitgliederversammlung eingebracht wurde und die mit deutlicher Mehrheit beschlossen wurde, primär zu beschäftigen und nicht mit populistischen Pressemitteilungen eines Hamburger Unternehmers.

Aber auch losgelöst von der Person Klaus-Michael Kühne steht für uns fest: Die in der Satzung des HSV e.V. verankerte Grenze von 24,9% der Anteile der HSV AG, die ohne eine Zustimmung der Mitgliedschaft verkauft werden können, bleibt unantastbar.

Die Relevanz dieser Grenze besteht darin, dass ein Stimmanteil ab 25,1% in einer AG zu einer Sperrminorität berechtigt. Die Sperrminorität stellt ein Vetorecht bei wichtigen Entscheidungen, bei denen eine ¾ – Mehrheit für eine Zustimmung benötigt werden, dar. Der HSV besitzt also eine selbstauferlegte „75+1-Regel“, welche die Mitbestimmung der Mitglieder und Fans sichert. Längst fordern auch bundesweite Faninitiativen wie Zukunft Profifußball eine einheitliche 75+1-Regel für Klubs, die in einer AG ausgegliedert sind.

Bei dem Thema Investoren geht es im Großen und Ganzen nicht zuletzt um die Frage, welchen Fußball wir wollen und welche Rolle der HSV darin spielen soll.

Und genau deshalb ist diese Mitbestimmung von Fans und Mitgliedern von zentraler Bedeutung. Denn der deutsche Profifußball lebt durch seine Fans und besitzt im Vergleich zu anderen ausländischen Ligen noch relativ demokratische Strukturen, die es ermöglichen, Einfluss auf fanrelevante Themen zu nehmen. Die 50+1-Regel und die damit verbundene Mitsprache der Fans und die Einschränkung von Investoren ermöglicht es, dass die Klubs noch nicht vollends von wertevergessenden und/oder profitgesteuerten Investoren übernommen worden sind.

Sich mit Investorengeld Erfolg erkaufen zu wollen und sich dem oft genannten Ziel der DFL, die englische Premier League sportlich und wirtschaftlich einholen zu wollen, zu verschreiben, ist nicht mit unserem Bild vom HSV vereinbar. Stattdessen würde es die Kommerzialisierung und Eventisierung vorantreiben und der Fußball sich somit von den Fans entkoppeln. Auf seine treuen und tollen Fans zu schwören, deren Meinungen und Wünsche bei allen wichtigen Entscheidungen aber zu missachten, funktioniert nicht. Es funktioniert nur mit einem systematischen und ernsten Dialog auf Augenhöhe – und das nicht nur anlassbezogen, sondern nachhaltig.

UNSER HSV soll ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltig agieren, die Fans und Mitglieder einbeziehen und sich auch auf DFL-Ebene dafür einsetzen.

UNSER HSV ist emotional, lebendig und leidenschaftlich. Lasst uns zusammen dafür einsetzen, dass dies bestehen bleibt und auch von Funktionären noch mehr gelebt und verstanden wird.  

UNSER HSV lehnt profitorientierte sowie nach Macht und Einfluss strebende Investoren ab. Nichts und niemand ist größer als der Verein.

Und darum: Bringt euch ein! Meldet euch bei uns, beim Supporters Club, dem Fanprojekt oder dem Förderkreis Nordtribüne. Lasst uns unsere Leidenschaft und den Zusammenhalt nutzen, um den HSV entscheidend mitzugestalten!

Die Initiative UNSER HSV im Oktober 2022

Quellen:

http://nordtribüne-hamburg.de/2020/11/nachhaltiges-wirtschaften-beim-hsv/

Stellungnahme Forza Hamburg

Zukunft Profifußball – Vereine als demokratische Basis

https://www.hsv.de/news/das-angebot-ist-in-dieser-form-nicht-umsetzbar

Unsere Kurve – 50+1 Regel

Mitgliederversammlung: Der HSV braucht Veränderung 2.0

Rund neun Monate nach der letzten Mitgliederversammlung des HSV findet am kommenden Mittwoch, 22.06.2022 die nächste ordentliche Mitgliederversammlung unseres Vereins statt. Gleichlautend zum letzten Jahr könnte auch der Titel dieses Textes nicht passender sein – der HSV braucht Veränderungen. Und zwar weitreichendere als die bisher vorgenommenen. Gerne möchten wir an dieser Stelle nochmal ausdrücklich auf die DFL Taskforce Zukunft Profifußball mit ihrem Ergebnisbericht hinweisen. Außerdem bieten die Initiativen „Unser Fußball“ sowie „Zukunft Profifußball“ viele Anregungen für einen Fußball von morgen. 

Die notwendigen Veränderungen beim HSV betreffen jedoch nicht nur den HSV e.V. oder die HSV Fußball AG samt aller Gremien, Vorstände, Mitarbeiter*innen sowie Sponsoren & Partner, sondern uns alle – Mitglieder, Ehrenamtliche, Fans & Sympathisant*innen. Es ist an der Zeit, den Fußball und den HSV neu zu denken!

Sommer 2021 war für uns der Startschuss den Veränderungsprozess beim HSV mit anzuschieben, zu begleiten und zu beobachten. Beispielsweise wurden von Mitstreitern unserer Initiative zwei Anträge zum Thema Rechtsform und Nachhaltigkeit eingereicht. Gerne hätten wir euch an dieser Stelle zu beiden Anträgen mehr Einblicke gegeben, aber leider gibt es zu beiden Projekten nach mehreren Monaten keine konkreten Ergebnisse. Hier hätten wir uns im Herbst letzten Jahres mehr Dynamik gewünscht. Im August werden wir uns, dann 12 Monate nach Antragsstellung, an dieser Stelle mit einem Zwischenfazit ausführlicher melden.

Anders als bei den beiden Anträgen ist im HSV-Kosmos seit der letzten Mitgliederversammlung durchaus einiges passiert. Ein Vorstandsmitglied hat den HSV verlassen, der Aufsichtsrat wurde reformiert und aus deren Personenkreis ein neuer Vorstand interimsweise entsandt. Zudem wurden neue Sponsoren akquiriert, Partnerschaften geschlossen und auch im sportlichen Bereich zeigte der HSV ein anderes Gesicht. Nachdem der Aufstieg in der Relegation knapp verpasst wurde, verfällt der HSV in diesem Sommer anscheinend nicht in alte Verhaltensmuster, sondern versucht sein Grundgerüst saisonübergreifend zu halten. Vergleichen wir jedoch den heutigen HSV mit dem HSV vor zwei Jahren, so scheint in vielen strukturellen Bereichen die Entschlossenheit zu fehlen, den HSV authentisch und ernsthaft verändern zu wollen. An dieser Stelle würden wir gerne an die Texte des Förderkreis Nordtribüne e.V. aus dem November 2020 erinnern. Dort wurden bereits viele Anregungen zu den Themen Gesellschaftliche Verantwortung, Einfluss von Investoren und Nachhaltiges Wirtschaften gegeben und kritisch Stellung bezogen.

Um beim HSV den Veränderungsprozess seit der letzten Mitgliederversammlung genauer einzuschätzen, fehlt jedoch an manchen Stellen die Transparenz. Wir hätten uns sehr gewünscht, dass das Programm „Vereint 2025“ vom Präsidium auf den Kanälen des HSV veröffentlicht worden wäre, um die bisherigen Vorgänge und weitere mögliche Schritte besser einordnen zu können. Viele der geplanten Maßnahmen, Neuordnungen und Prozesse bleiben bisher offen. Beispielsweise ist weder die Rolle des Expertengremiums bekannt noch deckt der Aufsichtsrat der HSV Fußball AG alle notwendigen und angekündigten Kompetenzen ab. Wir erinnern uns, dass sich das Präsidium auf der letzten Mitgliederversammlung dafür aussprach, im AG-Aufsichtsrat alle relevanten Kompetenzen und Interessen (z.B. Finanzen, Marketing, Recht, Nachhaltigkeit und vor allem aber Fankultur) abzudecken. Welche Kompetenzen im Einzelnen durch wen abgedeckt werden und an welchen Stellen diese grundsätzlich gute Idee noch nicht umgesetzt wurde, können wir mangels Unterlagen zu „Vereint 2025“ nicht endgültig bewerten. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Trotzdem stellen wir gegenwärtig fest, dass die angekündigte Kompetenz Fankultur weiterhin im Aufsichtsrat nicht abgedeckt wird.

Gleichwohl sehen wir beim derzeitigen Präsidium ein konsequentes Bestreben den HSV zu reformieren. Dies bleibt uns nicht verborgen und erkennen wir durchaus an. Wenn Barrieren weiter aufgebrochen und Synergien genutzt werden, können wir gemeinsam noch viel bewegen.

Zum Schluss würden wir gerne noch inhaltliche Einschätzungen zur kommenden Mitgliederversammlung abgeben. Auf der Tagesordnung finden sich nämlich ein paar interessante Anträge wieder.

Durchaus irritiert haben wir den Antrag von Rainer Ferslev aufgenommen. Dieser beantragt, die Umwandlung der AG in eine KgaA nach Vorbild des BVB vorzubereiten und einzuleiten, um nächstes Jahr ein fertiges Konzept zu haben, über das dann abzustimmen wäre. So sehr wir auch die Bemühungen und das Interesse an einer strukturellen Reform begrüßen, so wenig können wir diesen Antrag mit Blick und Verweis auf die tagende Arbeitsgruppe zum Thema neue Rechtsform der HSV Fußball AG verstehen. Wir haben auf der vergangenen Mitgliederversammlung beantragt, dass eine Arbeitsgruppe die jetzige Struktur mit möglichen Alternativen vergleichen und prüfen soll, ob es besser geeignete Rechtsformen gibt.

Wir appellieren hier eindringlich, die Ergebnisse der Arbeitsgruppe abzuwarten und eine ergebnisoffene Debatte zu ermöglichen. Dem Antrag von Herrn Ferslev zuzustimmen, würde bedeuten, sich bereits auf eine konkrete Rechtsform festzulegen, indem diese vorbereitet werden soll, noch bevor es Erkenntnisse aus der Arbeitsgruppe dazu geben konnte. Zu erwähnen hierbei ist noch, dass ein KgaA-Antrag bereits in Vergangenheit in ähnlicher Form eingereicht wurde, aber keine Mehrheit erzielen konnte. Zusätzlich hat das überstürzte 1:1-Kopieren der Rechtsform und -struktur erfolgreicher Vereine bereits in der Vergangenheit zu tiefen Gräben und Zwietracht in der Mitgliedschaft geführt. Wir wollen eine Wiederholung von 2014 unbedingt vermeiden und die beste Rechtsform, unabhängig von anderen Vereinen, für unseren HSV finden. Diesen Antrag lehnen wir demzufolge ab und plädieren dafür, nicht den dritten Schritt vor dem ersten zu machen.

In dem Antrag von Herrn Hunke, den Verkauf weiterer AG-Anteile an die Ligazugehörigkeit zu koppeln, sehen wir das Bemühen, im Falle eines weiteren Anteilsverkaufes einen möglichst guten Preis zu erzielen. Grundsätzlich stehen wir Anteilsverkäufen kritisch gegenüber, besonders an Einzelpersonen in Kombination mit der Vergabe von Posten und Ämtern. Demnach finden wir es zwar gut, wenn die Hürden für Anteilsverkäufe erhöht werden sollen. Allerdings setzt Herr Hunke mit seinem Antrag gewissermaßen voraus, dass die AG als Rechtsform erhalten bleiben wird. Wir verweisen erneut auf die Arbeitsgruppe, die 2021 von der Mitgliedschaft beauftragt wurde, die Rechtsform zu prüfen. Abschließend möchten wir Zweifel an der rechtlichen Grundlage äußern, die vermutlich auch die Verbindlichkeit eines solchen Antrag aufweichen würde, sodass wir uns auch gegen diesen Antrag aussprechen.

Auch wenn wir mit einigen gestellten Anträgen inhaltlich nicht übereinstimmen, so freut es uns dennoch, dass der HSV auf die Menschen und aktiven Mitglieder nach wie vor eine Faszination ausübt und auch weiterhin die Menschen von nah und fern bewegt. Umso unverständlicher ist für uns, dass die Mitgliederversammlung, immerhin höchstes Organ unseres Vereins, auf einem Mittwochabend stattfindet. Die misslungene Ansetzung dürfte dazu beitragen, dass die Zahl der anwesenden Mitglieder einen Tiefstand erreichen könnte. Die oft vom HSV beschriebene Attraktivitätssteigerung der Mitgliederversammlung wird so garantiert nicht erreicht. Ganz im Gegenteil: Die aktive Teilnahme an der MV wird dadurch erschwert. Das Argument, dass es keine andere Möglichkeit gegeben habe, können wir in Anbetracht des jährlich stattfindenden Termins überhaupt nicht nachvollziehen. Wir hoffen, dass diese Ansetzung einmalig bleibt und dass künftige Mitgliederversammlungen wieder wie gewohnt an einem Wochenendtermin stattfinden.

Kommt alle zur Mitgliederversammlung am 22.06.2022, sie ist das höchste Organ im HSV!

Initiative Unser HSV im Juni 2022

Mitgliederversammlung: Der HSV braucht Veränderung 1.0

Nach dem sportlich erfolgreichen Start in die Saison findet am kommenden Samstag die ordentliche Mitgliederversammlung des Hamburger Sport-Vereins e.V. im Volksparkstadion statt.

Wie bereits berichtet, haben zwei Mitstreiter unserer InitiativeAnträge zum Thema Rechtsform und Nachhaltigkeit eingereicht. Wir von UNSER HSV möchten hiermit um euren Zuspruchbitten, um diesen beiden Themen die längst überfällige Verbindlichkeit zu geben.

Des Weiteren wird auf der Versammlung über die Kandidaten für das neue Präsidium abgestimmt. Zur Wahl stehen Marcell Jansen als Präsident, Bernd Wehmeyer und Ralph Hartmann als Vizepräsident und Michael Papenfuß als Schatzmeister. Wir danken an dieser Stelle allen zugelassenen Kandidaten, sowie auch die durch den Beirat abgelehnten Kandidat*innen, für ihre Bereitschaft und wünschen für die Wahl viel Glück! Rund um die Wahl für das neue Präsidium erhoffen wir uns einen lebhaften Austausch und Diskussionen, bei denen es nicht um Personen, sondern um Inhalte geht. Im Vordergrund sollte stehen, welche Themen das neue Präsidium für sich beansprucht und welche Vision verfolgt werden soll.

Dass es im Fußball Veränderungen bedarf, denen auch der HSV sich nicht entziehen kann, wurde unlängst an vielen verschiedenen Stellen im HSV Kosmos thematisiert. Bei unserem letzten Statement im April, haben wir bereits Orientierungshilfen gegeben. Zudem möchten wir an dieser Stelle nochmal die Texte des Nordtribüne e.V. aus dem November und Dezember 2020 hervorheben (http://xn--nordtribne-hamburg-t6b.de/page/3/), denen wir uns vollumfänglich anschließen. Es braucht Mut zu Veränderungen. Unser HSV muss eine klare Haltung zu verschiedensten Themen einnehmen und ein sichtbares Wertegerüst entwickeln. Unser HSV steht für mehr als nur Sport. Unser HSV…

• steht für Diversität, Vielfalt und Inklusion

• verfolgt ein klares Wertegerüst

• agiert transparent, partizipativ und basisnah

• ist sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst

• wirtschaftet nachhaltig

• handelt ökologisch verantwortungsbewusst

Uns stehen intensive Monate bevor, in denen wir den Mut zu Veränderungen hervorbringen und die Weichen für eine neue Zukunft legen müssen. Zusammen mit allen Fans, Mitgliedern, Gremien, Ehrenamtlichen und Mitarbeiter*innen gilt es, zukunftsorientiert zu handeln und Lösungen zu suchen statt nur die Probleme zu beschreiben.

Der Fußball braucht Veränderung, beim HSV fangen wir an. Gemeinsam vorwärts.

 Initiative UNSER HSV im August 2021

Mut zur Veränderung

Der Wunsch nach Veränderungen im Fußball ist seit vielen Jahren allgegenwärtig. Die Corona-Pandemie hat die Schwächen des Systems „Profi(t)fußball“ wie unter einem Brennglas hervorgehoben. Es ist an der Zeit, diesen Schwächen entgegenzuwirken und Reformen einzuleiten – unsere Initiative möchte dabei auf Reformbedarf in unserem Verein aufmerksam machen und Ideen zur Umsetzung entwickeln.

Dass die Zeichen der Zeit bei weitem noch nicht von allen erkannt wurden, zeigen die negativen Entwicklungen der letzten Wochen. Immer mehr Fans haben sich über die letzten Monate dem Profifußball abgewandt. Vereins- und Verbandsfunktionäre hingegen haben es mit ihrem Handeln und ihren Aussagen tatsächlich geschafft, die Entfremdung von der Basis weiter zu beschleunigen. Viel zu viel mussten Fußballfans über die letzten Jahre bereits hinnehmen. Viel zu ausgeprägt ist mittlerweile die Wut auf gierige Funktionäre, die den Fußball für ihre eigenen Interessen missbrauchen. Der Glaube, dieser Spirale der Entfremdung des Fußballs von seinen Fans noch entgegenwirken zu können, ist gering. Immer mehr, höher, schneller und weiter – noch mehr Anstoßzeiten, noch höhere Ticketpreise, noch mehr Kommerzialisierung des Produkts Fußball. Im Schatten der „Super League“-Diskussionen leitet die UEFA ihre Reformen zur Champions League still und heimlich ein, die den Wettbewerb in Europa ebenfalls deutlich einschränken werden und das große Geld noch stärker auf einige ausgewählte Clubs beschränkt. Von der viel zitierten Solidarität keine Spur. Die Turbokapitalisten haben erreicht, dass viele Fans nur noch resignieren. Die Pandemie spielt den handelnden Personen dabei durchaus in die Karten, denn ein lauter Protest im Stadion bleibt aus.

Auch der DFB und die DFL schafften es in den letzten Jahren, teilweise auf erstaunliche Art und Weise, dem Fußballfan in Deutschland zu zeigen, dass es längst nicht mehr um sein Wohle geht. Der Fußball in Deutschland kränkelt seit geraumer Zeit. Er hat sich selbst ins Krankenhaus manövriert. Seit dem Beginn der Pandemie liegt er auf der Intensivstation. Allein. Ohne Besuch, denn Fans müssen dem Fußball derzeit fernbleiben.

Dennoch reichen die Fans dem Fußball die Hand. Verschiedene Faninitiativen haben vermehrt deutlich auf das kranke System hingewiesen und Reformen gefordert. Viel mehr sogar – es wurden konkrete und detaillierte Konzepte vorgelegt: Zukunft Profifußball. Die DFL widmete sich diesen Themen jedoch nur halbherzig und veröffentlichte im Februar, im Zuge der DFL Taskforce Zukunft Profifußball, lediglich 17 Handlungsempfehlungen. Konkreten Umsetzungsdruck dieser Empfehlungen hat man sich nicht auferlegt.

Oftmals fühlen wir uns als Fans hilflos gegenüber solchen Themen. Wo sollen wir anfangen? Wie können wir uns einbringen?

Unsere Initiative möchte möglichst vielen Fans, Fanclubs und weiteren Initiativen des Vereins und der Stadt eine Austauschplattform bieten und darüber diskutieren, auf welchen Themengebieten und auf welche Art und Weise den beschriebenen aktuellen Entwicklungen im Profifußball entgegengewirkt werden kann. Denn eines ist klar: So groß die Probleme des kränkelnden Systems Profifußball auch wirken, der kleinste gemeinsame Nenner ist unser Verein und wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir bei uns anfangen.

Wir wollen mit unseren Ideen aktiv auf den Verein zugehen und mit ihm zusammen neue Wege des partizipativen, transparenten und gerechteren Fußballs umsetzen. Gemeinsam gestalten und Haltung einnehmen. Lasst uns aufstehen, die Stimme erheben und den Worten auch Taten folgen lassen.

Der Fußball steht am Scheideweg und wenn sich nichts ändert, stehen die Zeichen des kranken Patienten auf Abschied. Der Tod des Fußballs und der Fankultur, wie wir sie kennen und lieben gelernt haben, ist keine Illusion mehr, sondern knallharte Realität.

Wir haben genug. Reclaim the game! Ohne Fans ist der Fußball nichts. Es gibt viel zu tun – bringt Euch ein und seid dabei.

Initiative „UNSER HSV“ im April 2021